‚M‘ oder nicht ‚M‘, das ist hier die Frage…

Kamera-Modi beim FotografierenDa mein Blog ja noch ganz am Anfang steht und ich gerne sehen möchte, wie das so ausschaut, habe ich hier auch gleich mal einen Artikel für Anfänger geschrieben. Dabei geht es um den berüchtigten Kamera-Modus ‚M‘, mit dem viele Anfänger so gar nichts anfangen können oder sich einfach nicht dran trauen. Weil das oft so ist, möchte ich im Folgenden die verschiedenen Modi anhand von Bild-Beispielen ansprechen und erklären, warum ‚M‘ meistens die beste Wahl ist. Bei den heutigen Kameras kann man unterscheiden zwischen so genannten Kompaktkameras und DSLR Spiegelreflex (natürlich gibt es noch weitere Varianten, die hier aber mal außen vor gelassen werden). Selbst die Ersteren verfügen in den oberen Preisklassen bereits über ein Rad mit den verschiedenen Modi-Einstellungen. Diese heißen z.B. bei

Nikon: M – A – S – P sowie bei Canon M – Av – Tv – P

  • M steht dabei für = Manuell
  • A / Av für = Zeitautomatik
  • S / Tv für = Blendenautomatik
  • P für = Programmautomatik

Alle vier Modi unterscheiden sich grundsätzlich von der Funktion „Auto“(matik). In dieser Einstellung wählt die Kamera alle Einstellungen und die Verwendung des internen Blitzes selbst. Diese Einstellung sollte der ambitioniert Fotografierende getrost vergessen, da damit in der Regel jede Bildwirkung verloren geht. Wie das besser aussehen kann, zeige ich anhand einiger Bild-Beispiele weiter unten.

Um nun die nachfolgenden Erklärungen der Modi besser zu verstehen, sollte man drei Funktionen der Kamera verinnerlichen:

  • Belichtungszeit
  • Blende
  • ISO

Belichtungszeit heisst nichts anderes, als dass für die Zeit, in der der Sensor unserer Kamera freigegeben ist, Licht auf denselben fließt. Je mehr LIcht, desto heller, je weniger, desto dunkler. Habe ich also eine Belichtungszeit von 1/50 Sekunde, kommt mehr Licht auf den Sensor, als wenn ich mit 1/800 Sekunde auf den Auslöser drücke.

Ähnliches gilt für die Blende (Lamellen im Objektiv): je größer die Blendenöffnung (= kleine Blendenzahl, z.B. f/1.8), desto mehr Licht kann durch das Objektiv hindurch auf den Sensor fließen. Wenn wir die Blendenöffnung verkleinern (= große Blendenzahl, z.B. f/8), kommt sehr viel weniger Licht hindurch.

Die ISO beschreibt letztlich die Lichtempfindlichkeit des Sensors. Ein ISO-Wert von z.B. 100 benötigt viel Licht, haben wir nur wenig Licht, kann es sinnvoll sein die ISO z.B. auf 500, 800 oder noch viel weiter hoch zu setzen, um die Lichtempfindlichkeit des Sensors anzuheben. Der Nachteil hierbei ist, dass eine höhere ISO-Einstellung zu einem Rauschen, einer Körnung im Bild führen kann. Je höher die ISO, desto stärker das Rauschen. Daher sollte die ISO immer auf den geringst möglichen Wert eingestellt sein. Die Kamera auf eine ISO-Automatik einzustellen (Kamera wählt selbst den ISO-Wert) ist eine schlechte Wahl.

Wie hängen Belichtungszeit, Blende und ISO zusammen?

Man kann sich die Blende in Verbindung mit Belichtungszeit und ISO wie einen Flaschenhals vorstellen: je größer die Blendenöffnung und je länger die Belichtungszeit, desto mehr Licht fließt hindurch. Befinden wir uns nun draußen in der hellen Sonne, ist es ratsam, die Belichtungszeit möglichst kurz zu halten und die Blendenöffnung erst mal – na? – richtig: zu verkleinern (= hohe Blendenzahl). Die ISO sollte ohnehin immer nahe 100 sein und nur im Notfall hochgeschraubt werden. Ist es eher dunkel, können wir entweder die Blendenöffnung vergrößern (=kleine Blendenzahl) oder die Belichtungszeit verlängern (oder die ISO hoch setzen) oder beides, um mehr Licht und damit ein gutes Bild auf den Sensor zu bekommen.

So weit, so gut. Nun wird sich manch einer fragen: warum soll ich das alles machen, wenn das die Kamera doch auch gut selbst kann? Die Antwort ist einfach: weil die Kamera nicht so gute Fotos machen kann wie wir, wenn wir diese Einstellungen selbst wählen! Warum das so ist, erkläre ich im Folgenden anhand der Modi.

Der Modus „P“

Im Modus ‚P‘ kombiniert die Kamera automatisch die Belichtungszeit mit der Blende in Abhängigkeit von den herrschenden Licht-Verhältnissen. Hier lässt sich lediglich und höchstens die ISO noch manuell einstellen, um dadurch die Belichtungszeit gegen Verwacklungen hochzuschrauben oder andere Blenden zu bekommen (siehe weiter unten, warum das sinnvoll sein kann). Dies ist für mich allerdings die schlechteste Modi-Wahl, nahe an der „Automatik“-Einstellung.

Der Modus „S“ / „Tv“

Dieser Modus ist die so genannte Blendenautomatik. Wir können hier unsere eigene Belichtungszeit auswählen und die Kamera wählt die Blende aus, um ein gut belichtetes Bild zu bekommen. Sinn macht diese Einstellung, wenn wir selbst nicht zu viel einstellen möchten, uns die Belichtungszeit allerdings wichtig ist, um verwacklungsfreie Bilder zu erhalten. Dies kann z.B. beim Sport (schnelle Bewegungen = kurze Belichtungszeit wichtig) oder beim Fotografieren von fließendem Wasser (= lange Belichtungszeit mit Stativ = Wasser wird verschwommen oder wie Nebel abgelichtet) der Fall sein. Dieser Modus eignet sich daher nur für bestimmte Gelegenheiten. Der Nachteil ist, dass sich gerade mit der Wahl der richtigen Blende oft gute Bildwirkungen erzielen lassen und wir diese Möglichkeit mit dieser Einstellung aus der Hand geben (siehe dazu mehr weiter unten).

Der Modus „A“ / „AV“

Dies ist die Zeitautomatik. Hier können wir entgegengesetzt zu S / Tv nur die Blende selbst auswählen, die Kamera übernimmt dann die Wahl der Belichtungszeit. Wenn man freihändig fotografiert (also nicht mit Stativ), kann es schnell passieren, dass man z.B. eine etwas geschlossene Blende (= hohe Blendenzahl) absichtlich wählt und die Kamera daher eine so lange Belichtungszeit einstellt, um noch ausreichend Licht auf den Sensor zu bekommen, dass die Bilder fast zwangsläufig verwackelt werden. Zwar lässt sich gegensteuern, indem  man die ISO etwas höher schraubt (den Sensor also lichtempfindlicher einstellt) und die Kamera somit die Belichtungszeit wieder etwas verkürzt, dennoch ist dieser Modus für mich nach der Automatik und „P“ der Nächst-Schlechteste.

Die Königsklasse: der Modus M

Kurz und bündig: in diesem Modus stellen wir an unserer Kamera die Belichtungszeit, die Blende und die ISO sowieso von Anfang an selbst ein. Warum ist das die beste Variante?

Als erstes muss natürlich gesagt werden, dass man den M-Modus wirklich üben sollte. Am Anfang ist das sehr verwirrend und man muss das trainieren, trainieren, trainieren. Aber wenn man das einmal raus hat und weiß, warum man besser welche Einstellung wählen sollte, dann werden die Bilder auch dreimal besser als je zuvor!

Als erstes wähle ich gerne die gewünschte Blendenöffnung aus, je nachdem wie mein Motiv ausschaut. Möchte ich den Hintergrund eher verschwommen haben (bei Portraits: JA), oder soll er doch lieber etwas schärfer oder sogar durchgehend scharf sein (z.B. bei Landschaftsfotos)? Hierzu mal ein kleiner Exkurs, der auch für die Modi A / Av, S / TV oder P wichtig ist:

Weit offene Blenden (= kleine Blendenzahl) führen i.d.R. zu einer geringen „Tiefenschärfe“ (also der Hintergrund wird unscharf, auch „Bokeh“ genannt), wenn das Motiv nah und der Hintergrund etwas weiter entfernt ist (dieser Effekt hängt oft auch vom verwendeten Objektiv ab: je größer die Brennweite des Objektivs, desto unschärfer wird der Hintergrund!). Haben wir dagegen eine kleine Blendenöffnung (=große Blendenzahl), erhöht sich die Tiefenschärfe, der Hintergrund wird nicht so unscharf. Unten zeige ich einige Bilder, die das demonstrieren…

Habe ich meine Blendenwahl getroffen, stelle ich die Belichtungszeit ein. Diese sollte so kurz sein, dass ich bei freihändigem Fotografieren noch verwacklungsfreie Bilder hinbekomme, also meist nicht weniger als 1/125 Sekunde. Natürlich gilt hier außerdem noch die Faustregel, dass die Belichtungszeit umso kürzer und im Kehrwert zur Brennweite liegen muss, je länger diese Brennweite ist. Pauschal gibt man an, dass bei einem Objektiv mit 50mm Brennweite die längste Belichtungszeit 1/50 Sekunde, bei 100mm nur noch 1/100 Sekunde, bei 200mm 1/200 Sekunde betragen darf usw. Daran sollte man sich auch orientieren. Dennoch versuche ich auch mit einem 50mm Objektiv die Belichtungszeit nicht länger als oben genannte 1/125 Sekunde ausfallen zu lassen, da man ohne Stativ NIE zu 100% verwacklungsfrei fotografieren kann.

Führt nun meine Blendenwahl und die Belichtungszeit dazu, dass ich immer noch zu wenig Licht auf den Sensor bekomme, erhöhe ich die ISO (was aber selten der Fall ist, es sei denn bei Hochzeiten in Kirchen oder ähnlichen eher lichtarmen Gelegenheiten, bei denen die Verwendung von Blitzlicht nicht ratsam bzw. nicht erwünscht ist). Das Problem beim Modus M ist somit, dass ich immer drei Einstellungen im Auge haben und schnell verändern oder anpassen muss, auch wenn mir dafür nicht viel Zeit bleibt (etwa bei einem Event oder erwähnter Hochzeit). Dafür sind die Ergebnisse aber auch regelmäßig ganz andere und dafür lohnt es sich, diesen Modus mit beständiger Anwendung  beherrschen zu lernen!

Beispiele:

Mit Kamera-Modus P fotografieren

Abb. 1 (oben) zeigt eine Aufnahme im Modus „P“ mit 1/320 Sekunde und Blende f/1,8 an einem 50mm Objektiv. Man achte insbesondere auf den eher „unruhigen“ Hintergrund, das „Bokeh“, und vergleiche es mit den folgenden Bildern!

 

Im M-Modus fotografieren     Fotografieren im M-Modus

Wieder mit dem 50mm-Objektiv:

Abb. 2 mit 1/160 Sekunde und Blende f/2,5     –     Abb. 3 mit 1/13 Sekunde und Blende f8

 

Nikon 105mm Makro-Objektiv      Fotografieren mit Bokeh

Mit einem Nikon 105mm Makro-Objektiv:

Abb. 4 mit 1/80 Sekunde und Blende f/3     –     Abb. 5 mit 1/13 Sekunde und Blende f8

 

Abb. 3 und Abb. 5 haben identische Einstellungen, wurden jedoch nur mit einem anderen Objektiv fotografiert. Vergleiche den Hintergrund / das Bokeh. Bilder mit einem ruhigeren Bokeh wie in Abb. 4 wirken auf den Betrachter angenehmer und damit auch schöner, weil sie das Motiv gegen den Hintergrund abheben, der den Blick des Betrachter nicht ablenkt, sondern auf das Motiv fokussiert!

Die Abb. 1 im Modus „P“ kann man in keiner Hinsicht als schön bezeichnen, weil der Hintergrund sehr unruhig ist. Das Auge wandert ständig über das Bild und sucht nach Haltepunkten.

Wenn Dir der Artikel gefallen hat, freue ich mich, wenn Du mir folgst. Du kannst mir auch gerne einen Kommentar hinterlassen, wenn Du Fragen hast, Anregungen, Korrekturhinweise oder ein Feedback geben möchtest.

Advertisements
‚M‘ oder nicht ‚M‘, das ist hier die Frage…

Ein Gedanke zu “‚M‘ oder nicht ‚M‘, das ist hier die Frage…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s