Stürzende Linien vermeiden

=> Allgemeinwissen für Anfänger / angelehnt an Scheimpflug’sche Regel

Stürzende Linien

Ein grundsätzlicher Anfängerfehler, den ich immer wieder sehe, sind die so genannten stürzenden Linien. Als solche bezeichnet man insbesondere bei Gebäuden die nach oben spitz zulaufenden Ränder oder Linien, wie in Abbildung 1 gezeigt.

Stürzende Linien vermeiden
(Abb. 1 – Agnes-Kirche, Köln)

Diese Verformung wirkt meist sehr unschön und unruhig, da sie von der Realität, die wir von unserem Auge gewohnt sind, stark abweicht und daher ungewohnt ist. Wie kommen diese stürzenden Linien zustande?

Der Effekt tritt ein, wenn die Kamera, also der darin befindliche Sensor schräg zum Motiv ausgerichtet, also zum Beispiel nach oben gehalten wird, um das hohe Motiv vollständig auf das Bild zu bekommen. Dadurch haben die unteren Motiv-Elemente einen kürzeren Weg zur Sensor-Fläche, während die oberen Motiv-Elemente einen etwas weiteren zurücklegen müssen und sich damit zur Mitte des Sensors orientieren. Abbildung 2a veranschaulicht das in einem Diagramm in der Seitenansicht.

Stürzende Linien vermeiden
(Abb. 2a)

Noch etwas klarer wird der Weg vom abgebildeten Motiv zum Sensor in Abbildung 2b. Hier betrachten wir nun das Motiv sozusagen von oben und sehen seinen Weg zum Sensor:

Stürzende Linien vermeiden - Grafik 2b
(Abb. 2b)

Das Problem liegt nun also an der schrägen Positionierung des Sensors zum Motiv. Daher liegt die Lösung zur Vermeidung von stürzenden Linien nahe, den Sensor parallel zum Motiv auszurichten. Dann nämlich treffen alle Linien des Motivs gleichmäßig auf den Sensor und die stürzenden Linien verschwinden:

Angelehnt an Scheimpflug'sche Regel
(Abb. 3)

Natürlich ergibt sich hier oftmals das Problem, dass wir bei einer parallelen Ausrichtung möglicherweise den oberen Teil eines hohen Motivs abschneiden. Lösen lässt sich das im Prinzip nur anhand von vier Möglichkeiten:

  • entweder wir finden einen höheren Punkt, von dem aus wir das Motiv vollständig auf den Sensor bringen können;
  • oder wir benutzen ein Objektiv mit einer kleineren Brennweite, um den Bildausschnitt zu vergrößern;
  • oder wir benutzen ein Tilt/Shift-Objektiv, mit dessen Shift-Funktion wir in gewissen Grenzen den Bildausschnitt auch bei schräger Positionierung entzerren können (elektronische Trapezentzerrung);
  • oder wir bearbeiten das Bild hinterher z.B. mit Photoshop, indem wir es perspektivisch transformieren und so die stürzenden Linien gleichmäßig nach außen ziehen.

Jedoch können stürzende Linien auch Teil des künstlerisch Gewollten und ein bewußtes Stilmittel sein. Nicht nur bei Gebäuden, sondern auch in der People-Fotografie kann der Effekt insbesondere bei Verwendung von Weitwinkel-Objektiven zu interessanten Ergebnissen führen, wie Abb. 4 zeigt:

Stürzende Linien als Stilmittel
Abb. 4

Die stürzenden Linien nimmt man erst an der Kirchentür wirklich war, wenn man den Kopf nach rechts neigt. Mit zusätzlicher Hilfe eines Weitwinkel-Objektivs wird hier durch das vorgelagerte Bein vorne links im Bild eine sich verschmälernde Bildlinienführung nach rechts oben erzeugt, die den Blick des Betrachters durch die Gruppe führt und in deren Mittelpunkt Halt macht. Mal drauf geachtet? 🙂

Wenn Dir der Artikel gefallen hat, freue ich mich, wenn Du mir folgst. Du kannst mir auch gerne einen Kommentar hinterlassen, wenn Du Fragen hast, oder Anregungen, Korrekturhinweise oder ein Feedback geben möchtest.

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Stürzende Linien vermeiden

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